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Bits und Bites fressen GMV

Digitalisierung und gesunder Menschenverstand gehen nicht zusammen

Jürgen Zirbik, Zirbik Business Coaching
Veröffentlicht in: DiALOG - DAS MAGAZIN FÜR DEN DIGITALEN WANDEL | 2021


Vorsicht Satire. Als das DiALOG-Magazin vor 10 Jahren auf die Welt kam, war ja noch alles in Ordnung – also fast. Digitalisierung wurde damals als Totengräber der realen Welt gesehen, wie ein Sternartikel im Januar 2011 titelte (02.01.2011): Zehn Dinge, die 2011 (fast) aussterben werden. Dazu sollten Postkarten, Papierfotos, Wecker und Freunde aus Fleisch und Blut gehören. Alles noch da. Aber eines hat die Digitalisierung tatsächlich fast vollständig gekillt: den gesunden Menschenverstand - GMV.

Davon gab es vor der digitalen Revolution, von der man in Deutschland nur in Ansätzen etwas mitbekommt, schon recht wenig. Vor dem Digitalen war das Fernsehen daran schuld, dass die meisten Leute kaum geradeaus denken, so unkten die Ewiggestrigen. Da muss man gar nicht an den großen Blödsinn der Menschheit denken, wie Kriege, Hungersnöte, Umweltverschmutzung oder Rassismus. 2011 soll es nach Studien und der Süddeutschen Zeitung (14.02.2012) mit 20 Konflikten übrigens die meisten Kriege seit 1945 gegeben haben. Ob das etwas mit der Digitalisierung zu tun hat?

Zirbik - Bites und Bytes fressen GMV

Bits und Bites fressen GMV
Auch im normalen Leben, dem schnöden Alltag, wirkt sich Digitalisierung immer dramatischer auf unser Gehirn, unser Verhalten und unsere Entscheidungen aus. Insgesamt hat die galoppierende Verdummung zugenommen. Jedenfalls durch die Digitalisierung, die beim gemeinen Volk eine Rolle spielt. Die meisten Menschen verstehen unter Digitalisierung Internet, Social Media, Spiele-Apps und ein Handy. Sonst nichts! Obwohl – seit Corona unser Dasein bestimmt, gehört für viele auch Zoom dazu. Das war´s. Errungenschaften durch Digitalisierung in Industrie und Wirtschaft kennt so gut wie kein Mensch. Und wenn, schieben es viele in die Anti-Ecke – Motto: „Roboter nehmen uns die Arbeit weg“.

Es fängt ganz oben an – wie immer, GMV

Die Bundesregierung, ja der ganze Bundestag, haben ungefähr so viel Durchblick bei Digitalisierung wie der durchschnittliche Lehrkörper eines deutschen Gymnasiums. Das Durchschnittsalter der Abgeordneten imBundestag liegt bei knapp 50 Jahren, ähnlich wie beim Lehrkörper. Eigentlich stimmt das hoffnungsfroh. Aber, dort gibt es von Natur aus keinen GMV und Digitalisierung ist selbst der Kanzlerin ein Rätsel: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Merkel 2013 – das Internet war damals seit mehr als fünfzehn Jahren Realität. Jetzt ist natürlich alles anders. Wobei Digitalunterricht und -Digitalstudium in der Krise auch wegen unserer hervorragenden Infrastruktur Höchstleistungen am Fließband produzieren. Na gut, ich bin 63, war selbst einmal Lehrer und lasse in der Folge Altersmilde walten. Versprochen.

Auch im normalen Leben, dem schnöden Alltag, wirkt sich Digitalisierung immer dramatischer auf unser Gehirn, unser Verhalten und unsere Entscheidungen aus.

Digitales Quatschen geht irgendwie nicht
Digitalisierung hat mit Technik und mit Kommunikation zu tun. Letztere ist durch Katzenvideos, Bilder des Mittagessens, 140 – jetzt 280 Zeichen-Sprache und kinderstubenfreies Gebaren im Netz nicht wirklich besser geworden. Die Technik dafür schon – und zwar rasant. Für einen handgeschriebenen Brief brauche ich 20 bis 30 Minuten, wenn er kurz und gut werden soll, eine dreiviertel Stunde. Eine WhatsApp oder Mail diktiere ich in ein bis zwei Minuten, manchmal in 30 Sekunden. Gut, wir sparen Zeit. Dafür verstehen wir uns aber immer weniger.

Digitalisierung in Deutschland? Seit wann?
In Estland ist nahezu die gesamte Verwaltung digital. Jeder Schüler hat einen Laptop – hatte er schon vor Corona. Ich musste kürzlich einen neuen Personalausweis beantragen. Die Verwaltungsangestellte verkündete stolz, ich müsse nur noch ein Foto mitbringen. Auf meine rhetorische Frage, ob das auch digital ginge… Sie wissen schon.
Abgesehen davon, dass dem durchschnittlichen Beamten und Verwaltungsangestellten beim Begriff „digitale Unterschrift“ kalter Schweiß ausbricht, gelingt auch sonst wenig im Land. Selbst dann nicht, wenn Krisen ausbrechen. Legendär die Corona-App der Bundesregierung. Auch gut: das Impfmanagement, digitalfrei. „Alle Leitungen belegt. Bitte rufen Sie später wieder an.“
Und wir sprechen nicht von mieser Infrastruktur für Industrie und Wirtschaft. So benötigt in Oberfranken ein Architekt einen halben Tag, bis er einen nicht wirklich riesigen Plan an einen Kunden gesendet hat – wenn es nicht zu x-Abbrüchen kommt. Man sagt „Das Land der Dichter und Denker“, es heißt nicht „Das Land der Löser und Macher“. Also bitte!

Digitalisierung mit GMV!?

Für mich als Coach und Berater ist Digitalisierung ein Traum – wirklich. Online-Coaching, Online-Seminare, Online Marketing – auch über Social Media. Alles geht digital – im Prinzip. Das rettet Zirbik Business Coaching wirtschaftlich tatsächlich in Coronazeiten ganz analog den Hintern. Mit GMV betrachtet ist Digitalisierung für das Business großartig. Blöd nur, wenn der Strom ausfällt oder die Leitung nichts taugt.

Die Lösung: Dänemark oder Schweden
GMV einschalten: Wenn Sie Ihr Business digital aufbauen wollen, gehen Sie nach Dänemark oder Schweden: Platz eins und zwei bei der Digitalisierung. Deutschland hat es auf Platz 16 geschafft – unter anderem hinter Polen, Rumänien und Tschechien (Quelle: springerprofessional.de) Auch Estland steht besser da als Deutschland. Der baltische Staat ist Vorreiter in E-Government. Dort gehen Personalausweis und Führerschein digital. Ich erhalte demnächst Post – ja in Papier – und werde angerufen, wenn mein neuer Personalausweis vorliegt. Dann fahre ich zur Behörde und hole ihn ab. Ach ja. Dann plaudern wir ein wenig, vielleicht gibt es auch Kaffee und Kuchen. Wahrscheinlich werden wir uns über Datenschutz austauschen.

www.springerprofessional.de/internet/wirtschaftspolitik/welche-laender-bei-der-digitalisierung-spitze-sind/18249950, 20.08.2020

Zirbik im DiALOG-Magazin 2021

Jürgen Zirbik berät und coached härter als üblich. Deshalb erreichen seine Klient:innen schneller ihre Ziele. Er ist heute Unternehmer und kommt aus dem Kampfsport. Zirbik ist  Medienprofi, Marketingexperte und Selbständiger. Mit 25 Jahren Erfahrung, gesundem Menschenverstand und modernen Coaching-Methoden begleitet er Klient:innen sicher ans Ziel.
www. zirbik-business-coaching.de

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