Die Bausteine
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Compliance, ein unterschätzter Wettbewerbsvorteil

Prof. Dr. Andreas Kark, Professor an der Hochschule Heilbronn, Fakultät Wirtschaft und Verkehr
Veröffenlicht in: DiALOG - DAS MAGAZIN FÜR ENTERPRISE INFORMATION MANAGEMENT | MÄRZ 2015

Compliance im Unternehmen ist sehr viel mehr als ein Thema der Haftungsvermeidung. Richtig verstanden und implementiert, leistet Compliance einen wichtigen Beitrag zur Optimierung operativer Geschäftsprozesse und wird somit zu einem Wettbewerbsvorteil.

Die klassische Compliance-Definition
Der Begriff Compliance wird sehr häufig mit „Haftungsvermeidung“ übersetzt. Dies liegt letztlich an der Definition dieses Begriffes. Compliance bedeutet zunächst nichts anderes, als die Verpflichtung der Unternehmen und seiner Mitarbeiter, die für das Unternehmen maßgeblichen gesetzlichen Vorschriften und die internen Richtlinien des Unternehmens einzuhalten.

Durch diese sehr weit gefasste Definition wird aus jedem noch so kleinen Regelverstoß im Unternehmen ein Compliance-Verstoß. Dies hat nicht nur eine inflationäre Verwendung des Compliance-Begriffs zur Folge, sondern Compliance wird dadurch auch primär als ein juristisches Problem betrachtet. Und damit liegt der Fokus auf dem Thema Haftungsvermeidung.

Aus den USA kommend, wurde der Begriff Compliance ursprünglich in der Medizin verwendet. Ein Patient ist compliant, wenn er sich konsequent an die Therapieanweisungen seines Arztes hält. Nachdem der Begriff später durch Juristen im Rahmen von U.S.-kartellrechtlichen Verfahren übernommen wurde, fand er spätestens Eingang in den Sprachgebrauch hiesiger Unternehmen durch die Ermittlungsverfahren, die amerikanische Behörden gegen deutsche Konzerne durchführten, welchen u.a. Verstöße gegen Anti-Korruptionsvorschriften (FCPA) vorgeworfen wurde.

Gerade die amerikanischen Ermittlungsverfahren trugen dazu bei, dass beim Thema Compliance oft nur die Haftungsvermeidung im Vordergrund der Betrachtung steht, denn die rechtlichen und damit auch wirtschaftlichen Folgen von Compliance-Verstößen sind gravierend bis existenzbedrohend – für das Unternehmen, aber auch seine Mitarbeiter: Mögliche Konsequenzen reichen von Bußgeldern und strafrechtlichen Sanktionen bis hin zu zivilrechtlichen Schadensersatzforderungen gegen das Unternehmen oder dessen Mitarbeiter. Letzteren kann darüber hinaus der Verlust des Arbeitsplatzes drohen. Unrechtmäßig erworbene Gewinne können abgeschöpft, bereits erteilte Genehmigungen zurückgenommen sowie Zuliefererverträge und Kooperationen gekündigt werden. Hohe Beraterkosten sowie ein gravierender Reputationsschaden kommen hinzu.
Zusammengenommen können die wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen existenzbedrohende Ausmaße erreichen.

Das moderne Compliance-Verständnis

Betrachtet man Compliance aus betriebswirtschaftlicher Sicht, so kann Compliance einen wesentlichen Beitrag leisten, ein optimales wirtschaftliches Unternehmensergebnis zu erreichen. Schließlich sind Geschäftsabläufe nur dann effizient, wenn sie sowohl zum betriebswirtschaftlich optimal erreichbaren Ergebnis führen als auch den Geschäftserfolg nicht durch Compliance-Verstöße gefährden. Denn die o.g. Sanktionen für Compliance-Verstöße können jedes zunächst noch so profitabel erscheinende Geschäft unwirtschaftlich werden lassen.
Daher zielt Compliance nicht nur allein auf die Vermeidung von Haftung. Richtig verstanden setzt Compliance früher an: Compliance ist auf eine rechtlich einwandfreie Unternehmenstätigkeit gerichtet, denn Compliance ist ein natürlicher Bestandteil eines jeden Geschäftsprozesses!

Wurde Compliance im Unternehmen richtig implementiert, sorgt die daraus resultierende Transparenz für eine Reduzierung von Interessenkonflikten. Eine sorgfältige Compliance-Analyse der Geschäftsprozesse und ihrer Compliance-Risiken hilft auch, Schwachstellen operativer Arbeitsabläufe zu identifizieren. Klare überschneidungsfreie Aufgabenbereiche und definierte Verantwortlichkeiten sowie besser qualifizierte und motivierte Mitarbeiter erhöhen darüber hinaus die Effizienz der Unternehmensprozesse.
All dies ist am besten durch die Einbindung aller Mitarbeiter in die Compliance-Anstrengungen des Unternehmens zu erreichen. Dies wiederum trägt zu einem Kulturwandel und zu einer Stärkung der Unternehmensidentität bei. Compliance wandelt sich von einer lästigen Pflicht zu einem gemeinsamen Ziel der ethischen und nachhaltigen Unternehmensführung.

Da es für Kunden immer bedeutsamer wird, mit verlässlichen Partnern zusammenzuarbeiten, führen diese Compliance-Anstrengungen zu einem Vertrauensbonus bei Kunden; Kunden, die immer öfter sogar Compliance-Bestätigungen ihrer Zulieferer verlangen.
Auch Banken, veranlasst durch die Regeln von Basel II und III, berücksichtigen zunehmend funktionierende Compliance-Systeme bei der Bestimmung der Zinshöhe von Unternehmenskrediten. Schlussendlich schützt das Unternehmen durch eine sachorientierte Implementierung von Compliance nicht nur die eigene Reputation, sondern kann diese im Vergleich zum Wettbewerb durch Compliance noch verbessern. Dieser Umstand wird dadurch gefördert, dass es heutzutage nicht mehr ausreicht, einfach nur Gewinne zu machen. Vielmehr verlangen die Kunden, dass diese vom Unternehmen auf nachhaltige, ethische Art und Weise erworben worden sind.

Compliance-Risikomanagement als Teil nachhaltiger Unternehmensführung
Nachhaltige Unternehmensführung setzt voraus, dass man sich auch mit den Compliance-Risiken des Unternehmens befasst. Eine risikobasierte, vorausschauende Compliance-Arbeit ermöglicht daher den effizienten Einsatz begrenzter Ressourcen. Das Compliance-
Risikomanagement ist der Schlüssel zum Erfolg der Compliance-Arbeit. Die Identifikation der Compliance-Risiken auf Basis kreativer Beschaffung und Vernetzung von Informationen ermöglicht, nach einer Analyse und Bewertung, Compliance-Risiken durch gezielte Maßnahmen entgegenzuwirken. Die dabei entstehende Dokumentation des Compliance-Risikomanagementprozesses hilft sowohl bei der betriebswirtschaftlichen Optimierung der operativen Geschäftsabläufe als auch beim Nachweis, dass aus rechtlicher Sicht das Unternehmen alles getan hat, was man vernünftigerweise erwarten durfte, um Rechtsverstöße zu verhindern.

Compliance ist damit vor allem
•    nachhaltige Unternehmensführung,
•    eine operative Linienaufgabe und
•    ein Instrument zur Optimierung
    betriebswirtschaftlicher Abläufe.

Richtig verstanden und implementiert ist Compliance ein immer wichtigerer Wettbewerbsvorteil.

Prof. Dr. Andreas Kark, LL.M. lehrt Wirtschaftsrecht an der Hochschule Heilbronn und berät mittelständische Unternehmen in Compliance-Fragen. Der Schwerpunkt seiner Forschungs- und Beratungstätigkeit liegt in der effizienten Verknüpfung von Unternehmensführung mit Compliance, Wirtschaftsethik und Corporate Governance. Darüber hinaus hält er regelmäßig Gastvorträge bei Industrie- und Handelskammern, bei Unternehmen und Verbänden. Er ist Autor des im Verlag C.H. Beck erschienenen Buchs „Compliance-Risikomanagement“. Zuvor war er u.a. als kaufmännischer Geschäftsführer verschiedener Tochtergesellschaften und als Leiter eines Compliance-Bereichs in einem Dax-30-Konzern tätig.
www.compliance-consultancy.de

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