Geschafft!

Die Bundesrepublik hat wieder eine handlungsfähige Regierung. „Alles Gute macht der Mai“ oder wenn im „Frühling Träume wahr werden“ – viele Lieder und Gedichte beschreiben eine Aufbruchsstimmung und irgendwie passen alle auch in das Zeitalter der Digitalisierung. 

Jetzt gibt es ein Digitalisierungsministerium und eine Ministerin gleich dazu, hurra Frauenquote gleich mit erfüllt! Nachdem Deutschland, nicht nur wegen der langen Sondierung, immer noch zum Mittelalter im digitalen Alltag gehört, will dieselbe jetzt so richtig anpacken. Ganz neu, so sagt die Ministerin, lässt sie sich von einem jugendlichen Beraterstab die innovativen Handlungsableitungen erklären und will so neue Wege gehen. „Jugendliche sehen in der Digitalisierung das Kommende tatsächlich oft früher als Erwachsene“ tönt es auch schon aus ihrem Munde. Haben die „digital natives“ also tatsächlich die digitale Strategie, sprich den Weitblick per se gepachtet? Die „digital immigrants“ sind eh bloß Erwachsene. Alles klatscht und ist zufrieden. Wirklich?

Viel interessanter finde ich die neuesten Entwicklungen wirklicher Innovationsunternehmen, die seit Jahren unsere (europäische) Wirtschaft anführen. Viele Branchen der Vergangenheit wandeln sich von Kopf bis Fuß rasant zu Technologieunternehmen. Sie positionieren sogenannte CDO - Chief Digital Officer (Erwachsene mit Erfahrung) –  etablieren Innovationsteams mit operativen Zielen aus/in der Kernbranche und lassen somit Kreativität und agilen Denkmustern freien Lauf. Sie bilden „DigitalCamps“ oder gründen gar neue Unternehmensteile, nur für den Anspruch, den operativen Erfolg effizient digital aufzustellen. 

Zwei Dinge haben diese Beispiele gemeinsam: erstens den Spaß an der digitalen Veränderung und zweitens, dass die erfahrenen Strategen mit den jugendlichen Wilden gemeinsam am Erfolg gemessen werden. „Wir brauchen eine digitale Kultur in den Unternehmen“ fordern viele Experten. Diese wird dringend notwendig sein, um Lobbyismus, Jammern oder digitales Stückwerk im Keim zu ersticken. Wer kennt Sie nicht, die Beispiele aus dem Alltag?

Wir sollten nicht so tun als ob nur die Alten etwas von den Jugendlichen lernen, sondern vielmehr die Wertekultur mit den digitalen Herausforderungen und Veränderungen neu definieren. Auch weil wir uns daran gewöhnen müssen, ein Leben lang zu lernen. Die „Grundausbildung“ in Schule und zum Beruf ist nur der Anfang einer gesellschaftlichen Dauerlernschleife mit dem Namen „digitaler Alltag“. Die Aufbruchsstimmung der Bundesregierung kommt zwar so gesehen viel zu spät, aber wir schaffen das schon …. und brauchen jetzt einfach die langfristig den Menschen dienenden digitalen Handlungsanleitungen (von der Bundesregierung). Oder doch schon so ganz einfach von Roboter zu Mensch, haha!? 

„Das alles passiert unter einem Himmel - in der gleichen Stadt - unter einem Dach - in jedem von uns“. Eine Textzeile aus einem Chart-Hit von 2018 der eigentlich von der Liebe spricht, aber genauso gut auch zur Digitalisierung passt, meine ich. Ob Jung oder Alt, ob aus Leidenschaft oder Erfahrung. Liebe, äh, Digitalisierung kann jeder!  

Ihr im Digitalisierungs(Liebes)rausch gefangener (retarded) Digital Immigrant

Steffen Schaar